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  03   Real World, Hard Code     4:23  
  04   Relentlessly Happy     3:11  
  05   Some People     2:59  
  06   Okay Land     3:15  
  07   Yoo Choob     4:22  
  08   Silly Suspicion     3:06  
  09   We Got Apps     3:50  
  10   Northern Boys And Northern Girls     7:32  
  11   Nothing Wrong With Tina Gill     2:44  
  12   The Party Is Over     2:57  
   
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"Irgendwo In Europa"
von Mirek Kuzniar

Mit einem Stock durch die Ruinen
meiner Kindheit stochern.
Die Tränen meiner Mutter
unter meinen Füßen.
- Die zusammengerollten Gefühle in meiner Hand.

Mir krampft sich der Magen zusammen!

Die Erinnerung ist kalt
und feucht
und doch so warm.

Das Reich der Geburt,
der Auferstehung
des Lebens.
Das Reich des Verlassens -
und in der Ferne,
wieder ein Schloss.

Geschichte -
nostalgische Ruinen im Zerfall.
Die stillen Flüsse
in den Strassen von Bunzlau.
Und mit jeder Biegung des Stroms
begann ein neuer Ruf des Lebens.
Und mit jedem Licht des Tages
begann eine neue Epoche!

- Erhängter Poet
- Erschlagener Held
- Ausgetrockene Seele

Eine Fotografie – leer.
Ein Standbild aus einem Film,
der nie zu Ende gedreht wurde.

Überhaupt Bilder!
Bewegte Bilder,
mit dem Atem des Lebens erfüllt,
erstarrt und flach in einer Dimension
aus Andeutung
und Augenblick!

Emotionen,
die sich heute auf dem Gesicht
meiner Leinwand abspielen,
füllen mir die Venen mit Eis,
bis sie völlig taub und unbrauchbar sind.

Bin zerbrechlich.
Unfähig zu sprechen.
Bin außerstande meinen Part zu schreiben.
- Nie werde ich so viele Tränen sehen,
wie in diesem Augenblick.

- Arbeitende Augen.

Was meine eigenen Augen angeht,
so bin ich unfähig sie scharf
auf einen Punkt zu richten.
Wie eine Eidechse trag ich das Stigma,
alles von zwei Seiten zu sehen.

Ich bin erschlagen!
Ich bin furchtbar müde!
Ich beobachte mich mit meinem linken Auge;
hier bin ich Opfer -
Jesus im Gebet vor der Kreuzigung.
- Hier zeigen sich Besonnenheit und Vergebung.

Auf der rechten Seite
wölbt sich eine blaue Kugel hervor,
besessen vom Drang zum sofortigen Frontangriff!
- Hier verabscheue ich alles Schwache!
- Bin ich militärisch?
Bin ich der schwarze Poet in seiner Zelle,
der sich opfert und lacht?
- Niemand würde befürchten,
dass ich mich da drin erhänge.

Ich verstand Warhol,
weil ich sein Bruder war.
Ich bin innerlich schwach wie er -
ein stetiges Opfer.
- Ich beute meine Schwächen aus.

Ich bin ein Gefangener im Leben.
Darf mich frei bewegen
und stillhalten
und ergeben
und so gut es geht,
weiter meine Rolle spielen
in der gesellschaftlichen Rangordnung.

Was aber,
wenn einer rebelliert?
Wenn ein Splitter sich herauslöst
aus dem melodischen Sumpf
und hinaufwandert in den Mund
und beschließt sich ins offene Auge
eines Mitläufers zubohren.
Wenn sich einer verweigert
und ein Zweiter
und ein Dritter,
bis wir uns dann alle reinschaffen
in dieses Wunder.
- Nichts bleibt außer dem Traum!

Ist das Leben ein Traum?
Leben ist Geben,
die Ebene des Traums ist eine ganz andere!

Es passiert nicht oft,
dass sich die beiden Augen in einem Punkt treffen.
Selten, dass sich eine Bruder als Bruder offenbart
und eine Vision als Vision,
in dieser Zeit
in Europa!

- Irgendwo in Europa,
an einem endlosen Tag,
über eine andauernde Wüste,
ein ganz einfacher Gedanke
zieht die betäubende Kälte vor.

An einem endlosen Tag,
über die Weite des menschlichen Lebens,
an blendendem Weiß vorbei,
verschluckt in eigner Persönlichkeit,
wirft ein Skelett sein Ballast ab.

Glühender Sand
unter zerstörender Sonne,
ich betrete dich
ungewollt
und sehe,
wie du das Wort der Hölle verkündest.

Wie ein Eichhörnchen
auf der Starkstromleitung,
springe ich von Ruin zu Ruin.
Eine kurze Erholung in Island –
und dann wieder;
angekohltes Eichhörnchen,
fallender Pharao!

Bin schon hundert Male tot gewesen.
Hundert Mal
lange schlaflose Nächte,
aber ruhig –
und Gott saß
die ganzen Stunden
an meinem Bett.
Und ich konnte Alles
aus weiter Ferne betrachten:
seine ungeheure Geduld,
seine Behutsamkeit
und seine Ruhe.
- Erschreckend!

Endlose Wüste –
wie ungerecht du bist.
Und wie leer ist deine Zeit!

Keine Kontrolle über die Tränen.
Keine Kontrolle über die Hunderte von Vorfällen,
die ich aus meinem Gedächtnis verbannen muss.

O, du Tochter Germaniens -
einst prallten wir versehentlich brutal aufeinander,
irgendwo in Europa,
der Verstand blieb stehen
und das Herz begann zu reden
in einer Sprache,
von welcher ich glaubte,
niemand kenne sie außer mir.

Irgendwo in Europa,
zu irgendwelcher Zeit,
mit großen Augen
schaute ich stolz ins farbige Leben!

- Wir umarmten die Lüfte.
Umarmten die Nächte.
Schnitten wir Schicksalskreise.

Als die Vollkommene habe ich dich erkannt,
als ich dich bei der Begegnung
des größten Zufalls des Lebens erblickte.
Als du der guten Welt Seligkeit schenktest -
die schlechte Menschheit ins Verdammnis drangst.
Als ich durch deine Worte
eine Wendung fand -
Wille des Lebens
durch Schwung deiner Hand.

Irgendwo in Europa.
Zu irgendwelcher Zeit,
hat mich dein Zauber verstimmt.

Du brachtest dein Verstand zum Opfer dar,
und schenktest dich der Vernunft ganz.

Zu irgendwelcher Zeit –
undenkbar war Entzweiung.
Entbundenheit haben wir keine Bedeutung zugestellt.
Aus dem Stoff des Zusammenseins
schnitten wir unsere Liebe.
Stunden haben wir schweigsam zusammen verbracht,
und ich habe dir sorgfältig zugehört.

Du warst das Wesen,
das dem himmlischen Engel
am nächsten stand.
Eine vollkommene Existenz
der Bildung des Verstands.

Und plötzlich,
zu irgendwelcher Zeit,
verlor sich der Schlüssel des Glücks,
und vergaß die Schwüre der Gunst!

- Stunden haben wir schweigsam zusammen verbracht,
bis das Schweigen sich selbst zu schwer wurde!

Laute Stimmen flogen umher,
und mit großen Augen
schaute ich
ins verfärbte Leben.

So tropfte der Regen seine Trauer.

Irgendwo in Europa
zersprang das Glas des Herzens:
o, schreckliches Dunkel.

Auf Europas Bahnhöfen
prallten wir einst
versehentlich
brutal aufeinander -
zwei Poeten in schwarzer Uniform;
eine vollkommene Rasse
aus Schönheit
und ...!
... die gleiche Sprache übernahm sofort
die Blätter unser Herzen.
Ebenso die gleiche Sprachlosigkeit.
- Aus Blicken wurde Bindung.
Und aus Bindung wurden Fesseln.
Das einfache Dasein
übersprang ins Vielfache.
Unsere Gefühle für einander
konnten sich keinem Gesetz zuordnen.

Der Stolz
wurde total abgebaut,
und wie Kamikaze Flieger
stürzten wir zu Boden,
richteten uns auf
und schrieben Geschichte!

Wir –
der Staub des Wortes.
Die Überreste eines traurigen Romans.

Irgendwo in Europa.
Zu irgendwelcher Zeit
haben wir gelebt.
- Sind nicht leicht gestorben!

Irgendwo in Europa,
war das Kind kein Kind mehr.
Das Leben kein Strand.
Keine Rückkehr
in die frühere Form des Daseins.

- Kein Kind mehr!
.......................................................

Ich sehne mich nach neuen Motiven
und neuen Ideen.
Und so kam es,
dass ich von dem verdrehsten aller Künstler erfuhr,
jenem,
der die Schönheit der Frauen
aus dem Chaos erschaffen hatte.
Der den Namen aller Namen,
durch die Zunge eines Weibes
in Schrift verfasste.
Das Weib,
das Gott soweit gebracht hatte,
dass er knirschte vor Wut
und barsche Gebote bellte!

- Rächerin Evas.
- Ein Christ - (k)ein Wort.

Die Idee dieser Frau
sehe ich deutlich vor mir,
wie ein Porträt –
feucht und schlüpfrig.

Ich erfuhr, dass ihr Wort weiterlebt
in den blonden Figuren
einer berühmten Wanderin;
es wäre ein junges Mädchen
von schwindelerregter Schönheit,
gezeichnet und dazu bestimmt
auf Ewig
über die Erde zu wandern.

- Und so wurde ich von ihrem Geist gepackt!

Ich bin entschlossen sie zu finden.
Durch die erotische Stimulierung
ihrer Geschlechtsöffnung
(ihres wahren Mundes)
möchte ich mich ihrer bemächtigen,
sie erfreuen,
und die Sprache
und das Sprachlose
in ihr herauslocken.

- Mein Mund ist trocken.
- Ich brauche einen Drink!

Ich habe alle Farben,
die ich brauche,
um meine Vision sichtbar zu machen.

Ich experimentierte mit überbelichteten Figuren
in der Wüste von Europa,
die mir zufällig in die Schusslinie kamen -
all dies als Vorbereitung auf sie
und im Hinblick auf die Vollendung
meines mörderischen Bildes!

Nun - hier ist sie,
irgendwo auf meiner Leinwand,
zu meiner Zeit!

Stell dir vor,
sie ist eine Dame:
Ebenholz und Elfenbein.
- Totaler Kontrast.
- Iris geschlossen.
- Sesam öffne dich!

Leinwand aus Satin,
von bleicher Hand gespannt.

Hier ist sie
in einem schwarzen Seidenanzug.
- Dunkle Brille.
- Seidene Handschuhe.
- Sündig wie die Nacht!
Sie kommt grad aus der Oper -
eine läufige Katze.

Ob sie eine Dame ist,
dies spielt doch hier keine Rolle!
Jedenfalls,
hier exsistiert sie -
hockt auf meinem Fensterbrett
wie 'ne dreckige Hure.

Sie steht auf
und zieht ihren lockeren Strumpf hoch.
Ihre schwarzen Stöckelschuhe
hätten etwas Salbe nötig.
- Doch schau nur diesen Kussmund an,
der aus all dem Glimmer rausstarrt.
Lippenstift
so dick,
dass du da deine Initialen reinritzen könntest.
Meine Initialen sind M K,
und es wäre mir eine Ehre,
da mein Monogramm zu hinterlassen!

Eine zitternde Hand –
ich krieg´s hin.

Schau wie ich meine Finger strecke.
Ein Verlangen nach dem fleischigen weißen Hals.
Der kalte,
saugende Griff meiner Hand –
weg ist sie!

Sie zieht ihren Handschuh aus:
"ich mach's auch umsonst!"

Sie ist nur ein Lustobjekt.
Eine voyeurische Darstellung meines Geistes!

Nachdem sie so auf mich stieß,
ist es nicht mehr mein Problem,
sie zu finden,
sondern sie zu befriedigen.

Irgendwo in Europa,
kriech' ich auf dem Boden herum.
Ich muss es schaffen!
Das Land des Geistes braucht Nordlicht.
- Nichts drin als Luft
und leuchtende Farben.

Sie schaut mir zu.
Sie weiß was es heißt ein Maler zusein.
Sie versteht,
dass ich diese Selbstzerstörung brauche.
Also tut sie es mir gleich;
und scharrt und kratzt wie ein Hund.

"Einst vor langer Zeit,
als das Kind noch Kind war,
hat es sich geschworen,
nicht zu groß zuwachsen.

Einst vor langer Zeit.
- Aber es ist ewig her!"

Zu irgendwelcher Zeit,
in irgendwelchem Teil meines Lebens,
vergaß ich meine Schwur -
und sofort hatte ich geträumt!
"Denn wer in die Stimme des Fleisches eindringen will,
muss von dem Kelche trinken,
in dem ein Strom fließt."

Ich muss mich von meinem Kopf trennen,
und in die Seele hineinstürzen!

Und so verwandle ich sie in ein kleines Mädchen.
Ihr Blick ist voller Erinnerung
an Königinnen und Sklavinnen.
Und an die absurden Vergewaltigungen
durch Tag und Helle.

Sie öffnet ihren Mund
und lässt ein eiskaltes Wort heraus,
das in lautem und glitzerndem Gelächter widerhallt.

Sie folgt meiner Spur!
Sie zittert wie eine schwankende Tulpe!
Ich pack sie an der Kehle!
Ich gehe aufs Ganze!
- Ich arbeite an einem Gemälde.
- Ich habe das Recht, sie zu verurteilen.
Sie ist eine Filmlandschaft in Primärfarben.
Wolken schweben über ihren Schultern.
Ihr Mund ist der verrückte Springquell
eines Wissenschaftlers.

Der Tod schließt sie für immer ein
im Augenblick von Gottes Gnade.

Vielleicht ist es auch das Grab?
- Erlöst wird sie erst,
wenn der Künstler zu Staub wird!
.......................................................

Hier bin ich -
sogar in Deutschland.
Bewaffnet bin ich mit Visionen
aus fabelhaften Symbolen,
die ich unter Vergrößerungsglas nehme,
und ihnen Körper schenke!
Jeder, auch so sinnloser Gedanke,
bieg' ich wie ein Stück Knetgummi
und forme ihn in faszinierte Gegenstände,
für die man keine Worte findet.

- Ein Genie Gottes!
- Ein Plünderer eigener Träume!
- Ein perverser Sohn der Primitiven!
- Ein Opfer unverstellbarer Einbildung,
für den Einen.
- Ein Kandidat fürs Irrenhaus,
für den Anderen.
Doch für meine Mutter, nur ein Engel,
der herauswächst
und das Kleid seiner Unschuld zerfetzt.

- Irgendwann
ist das Kind zu groß gewachsen.

Sturm über mein Europa!

Unbekanntes Land,
das so still vor sich herträumte,
verschluckte die Neugier eines Kindes!

"Noch eben Felder,
auf denen er schlief,
den Wind spürte –
und Milch trank.

Zeitvergeudung
auf Feldern zu liegen –
Milch zu trinken,
Winde spüren.

Nebeneinander –
erstickend eng!
Menschenmassen –
schlicht und streng!

Noch eben Träume –
aggressiv und laut!
Und Räume
voller Staub.

Auch Steine
gab es dort!
Bemalte Figuren –
fremdartig
und glatt –
ihre Farben
waren tot!

Noch eben Hast,
Gedränge,
eilige Menschen
und Vorhänge.

So wie die Kuh,
die man „Sarah“ taufte.
Und später
aus einleuchtenden Gründen,
in "Flamme"
umbenannte!"

Und so ist er abgereist -
er war froh, dass er fort ist,
von den Spuren einer Zeit,
wo er durch Bereiche voller Trübung wanderte.

Voller Freude war er,
nun sichtbar zu sein,
in dieser fremden,
ausgefallenen,
gewürzten Welt!

Seltsame neue Formen,
Farben,
Geschmackseindrücke –
und all diese Sklavinnen,
die er nun zu kosten wagte.

"Stadt der Träume –
Stadt der glitzernden Architektur –
Stadt der endlosen Sphären –
Monde aus Licht –
Stadt der Sterne."

So weit das Auge reicht –
er war froh,
dass er da angereist war.

Der Zug überzeugte ihn,
dass hier die einzige Realität ist.
Dass dieses Leben wirklich ist!
Dass es existiert!
Dass es schon da war,
ehe er hier ankam!

Es wäre schrecklich,
wenn etwas geschehe,
und er dann wieder in diese trostlose Öde
zurückkehren müsste.

Jetzt ist es ihm bewusst geworden,
wie den Kindern Israels zumute war,
als sie in das "Gelobte Land" kamen.
.......................................................

Europa im Streik!
Er machte einen Versuch,
seine Energien in das zu stecken
was ihm wichtig vorkam.

Eine Zeitlang bemalte er Häuserwände
und Telefonzellen.
Hier brachte er die Erdachse ins Wanken.
Hier brachte er den Sturm aus dem Zimmer
hinaus auf die Strasse.
Hier gab es für ihn nur zwei Gegenwarten;
den Alkohol
und die Glut der Farben.
Er drehte sich in einem gefährlichen,
wurzellosen,
grenzlosen Raum.

Der Wind so schneidend wie eine Schere -
hoch über Europa.
- Er hält die Balance!
- Tobendes Flügelschlagen!
- Die Flamme!
- Die Aura eines Schreis!
- Die Aura von Gott, von Farben.

Dies ist der Schrei der Kolorite,
der sich dem Künstler nach viel Mühe
und Pein entringt.
Dies ist die Fruchtbarkeit,
die den Künstler zum Kämpfer macht!
.......................................................

In den Strassen irgendeiner Sternenstadt,
ist er lebendig,
und glücklich,
und fast gesund!

Hier will er das Licht gesunden Lebens ausstrahlen.
Ebenso will er all die destruktiven Rhythmen
in seinem Körper spüren.
Er will,
dass seine Kopfschmerzen sich in Sex verwandeln.
Sein Erbrechen will er in Lachen verwandeln.
Und das Lachen in ein Atem,
und Todesängste zu einem Strahl.

Er will hinausschießen
ins Ozon,
hoch über Europa,
gefährliche Berge erklettern,
alle Luftstrassen durchqueren.
Er will mit dem Gesicht auf der Erde liegen,
Dreck fressen
und vögeln,
aber nie wieder husten!
- Er will leben.

Er ist sehr,
sehr deprimiert.
Fühlt sich hilflos
und niedergeschlagen
angesichts der vergänglichen Gesichter.

Er betrachtet sich und denkt;
"das Leben ist hier gefangen,
- jetzt -
bald wird es entweichen."

Warum
kann er es nicht halten?
Warum
ist das nicht zu ändern?

Warum ist es so weit weg?
Er kann es nicht ertragen,
dass es sich
immer weiter entfernt.

"Stadt der Sterne,
der glühenden Augen.
Sehenswürdige Stadt der Träume.
Und Stadt der Gewürze.
Krankenstadt.
Und Stadt des Nichts."

Mutter:
"Du bist mein Erlöser,
und du bist mein Sohn.
Du bist der Engel,
der sich entfaltet
in einem sinnlichen Tod.
So bleich und so süß,
wie das schlafende Geschlecht einer Frau,
liegst du hier,
in irgendeiner Schmerzenstadt Europas!
Einst, wenn ich mich recht entsinne,
setzte ich mir dich aufs Knie und…"

In den Ruinen von Europa,
rumstochern wie ein gieriger Archäologe.
- Ein Versuch,
das Geheimnis des Lebens zu ergründen.

- Ich bin in Not.
- Ich weiß.
- Mein Herz leidet.
- Sein Schmerz ist mein Schmerz.

Meine Augen sind ausdruckslos, animalisch.
Geschreie sickern aus meinen Poren.
Ich bin frei von der Last des Denkens!
.......................................................

In den Strassen von Europa,
geht eine verwirrte Seele unter
im Untergrund.

Vertraute Stimmen der Vergangenheit,
entfernen sich rasend von mir.

Bin ein Poet,
dem die Poesie nicht mehr gegenübersteht.
Kein Gedanke flüstert mir
ein Stückchen Feuchtigkeit zu.
Mir trocknet der ganze Verstand aus.

In Abenteuer der Jugend
ist man mit einer Sprache gesegnet,
die aus dem Herzen
mit Energie gefülltem Strahlen schießt.

Die Sprache ist der Geist des Suchenden.
Sie ist eine Blume,
die sich entfaltet,
bevor sie sich eines Tages für immer schließt.
Aber solange sie blüht,
ist der Abenteurer mit Träumen,
Wünschen
und Hoffnungen gefüllt.
Ebenso mit Stimmen,
die von Zeit zu Zeit gebrüllt werden.
Manche von ihnen sind nur wie Echos,
die den Hügel umkreisen,
und dann wieder ins Tal zurückkehren.
Andere aber,
bleiben an irgendeinem Ort hängen.

Jahrelang ist man auf der Suche
nach dem Bild der eigenen Zukunft.
Aus Angst,
um die Schnur des Lebens zu übersehen,
läuft man mit gesenktem Kopf,
und mit Augen einer Eidechse herum,
und sucht man Leben unter Tonnenschweren Steinen,
die dann nach jeder Enttäuschung
jemanden zerdrücken!

Doch egal, wie lebensgefährlich
die Suche auch ist, -
den Traum verfolgt man immer weiter,
wie einen Schatz,
den man besitzen möchte,
und dabei erkennt man gar nicht,
wenn man am Ziel ist!

Es kommt selten vor,
dass sich eine Suche
als beendet erweist.
Oder ein Fund,
als gefunden!
.......................................................

Es ist kalt,
feucht und windig.
Der Himmel mit Wolken überzogen.
Die Raben,
die über mich wegfliegen,
scheinen ihr Ziel zu haben!

Die Erde ist entseelt,
sehr, sehr leblos in Europa,
und die Menschen scheinen immer noch
in dem Glauben zu sein,
dass die Sonne
genügend Wärme hergibt,
oder, dass der Ruf des Sommers ausreicht,
um sie zu erwärmen.

Und doch,
ist es ein Vergnügen
hier zu sein,
solange Island existiert.

"In Island –
zu jeder Zeit,
wandert jemand
durch grüne Felder.

Zu jeder Zeit –
offene Tür –
wartende Schuhe,
auf noch
grünen Feldern.

Auch wenn ein leises Weinen.
Auch wenn ein Tropfen Gift.
Auch wenn ein lautes Nein.
Und dann doch noch –
grüne Felder!

In Island –
wandert Sigrid
durch Felder des Wartens."

Es ist der Abschied,
der einem so schwer fällt –
in dem Augenblick
kommt man sich weiter weg vor,
als in jedem anderen.

Seltsam – nicht wahr,
dass ich dir jetzt ganz nah bin.
Dass ich dir
(wahrscheinlich wird es so bleiben)
in der Ferne,
näher bin,
als ich es bei meinem Abschied war.

Komisch –
sollte Entfernung geistig,
nicht körperlich sein?
Oder ist die gedachte Entfernung größer,
als die wirkliche?

Oder ist es nur ein anderer Ausdruck dafür,
dass das was zählt,
die Trennung von einer Person ist –
nicht das Ausmaß der Entfernung.

Ein langes Jahr –
unkontrollierte Gefühlsausbrüche.
Lauter Bilder,
Erinnerungen, -
und ich fange an zu begreifen,
dass ich dich mir
wiederherstellen muss.
Jedes Ereignis.
Jedes Wort.
Ich muss alles gefühlsmäßig noch einmal erleben!
Dann erst,
kann ich dieses Leben annehmen.
Und dich einen Teil meines Jetzt
werden lassen.
- Aber nicht alles auf einmal!

Ein langes Jahr.
Und doch
nicht lang genug (vielleicht?).

So Lebwohl,
verwunschner Traum,
der bei Menschen weilt,
sich niederlässt,
das Brot mit einem teilt
und ihn wieder verlässt.

Wenn man zur Welt
der Sterblichen gehört,
welch teuren Preis
im Leben man zahlt!

- Ach, wie die Zeit so fließt,
und das Herz sich schließt! –

"Wir vereinigen uns
und rasen mühelos
durch Leben und Tod!

Wenn du nicht bei mir bist,
so muss ich dich spüren!
Unsere Lippen beben
und wir schlucken den Strahl der Liebe.

Herausforderung –
In uns steckt das Wort der Verbindungskette!"

(Doch schwach ist das Wort,
wenn das Herz schweigt.
Tonlos
und so fern.)

Das Gefüge ihrer Sprache –
Worte wie Treppenstufen.
Sprache als Leiter.
Und sie schauen hoch!

Noch halten sie die Zeit an!
Und schon ist sie verschwunden.

Doch spüren sie,
sie ist noch in der Nähe!
- Da ist sie!
- Da geht sie!

Gesplitterte Sehnsüchte –
Die Zeit im Gedächtnis eingeprägt!

"Ach, wie die Jahre vergehen -
sind schwer zu verstehen.

Das Haar –
jetzt dünner.
Das Herz nicht grüner.

Doch die Tür,
die bleibt offen
und der Schuh bereit.

Der Schlaf erlaubt zu träumen.
Die Blätter –
sie fallen von Bäumen.

Ach, lang ist es her -
den wahren Grund kennt man nicht mehr.

Am Gebetstisch –
eine Kerze,
brennt seit Jahren ihren Leid!"

Und doch,
will man leben.
Mehr als zuvor!
Den Himmel neubestreichen,
frisch
mit Regenbogenfarben.

"O, Himmel du –
welch ein Blau –
leuchtend schneeweiß –
einwenig grau.

O, zarte Haut.
Dein glattes Fell.
Winde so leise –
dann wieder schnell!

O, zauber-weiß.
Sanft ruh' ich hier,
auf Europas Felde –
kein Mensch neben mir."

Hier möchte ich liegen bleiben
und schreiben,
Seiten über Seiten.
Die Gedanken in Worte fassen.
Den Text erschöpfend durchdenken.
Bei deiner Bläue,
mit einem großen beigen Hut,
die Felder der Wiederbelebung betreten.

Seiten über Seiten,
verschwommene Erinnerungen Europas,
würde ich gern schreiben.

Den ganzen Zauber,
aller verzauberten Augenblicke, -
die Stimmung,
mit Feder aufm Papier festhalten.
- Seiten über Seiten.

In den Feldern der Menschenlosigkeit,
bis in den Morgen,
bis in den ersten Sonnenstrahl,
liegend hier
die Seiten füllen.

Eingerahmt in die Frische.
Fremde,
klare Farben.
So kunstvoll
bemalter Himmel.

Ich -
auf den Spuren meiner Kindheit,
durchstreife die Räume;
"Ohne Anfang und Ende".
Die Räume,
"Ohne Vorn und Hinten".
Sehe niemanden,
und dann wiederum,
sehe ich Menschen,
mehr als je zuvor,
tief in mir drin.

Seiten über Seiten,
mit so vielen Personen
komme ich in Berührung.
- Und doch,
niemand von ihnen,
kommt mit mir in Verbindung!

Wie ein Schmetterling,
mit lebhaft-feurigen Farben,
flattere ich
um die Art Mauer
aus Papier und Feder
umher.

Eine Mauer
zwischen meinen Gedanken
und ihrem Ausdruck.

Nachdenklicher Schmetterling
in erregter Bewegung
des Schreibens,
überwältigt von dem Schwung der Feder.

Bewunderung
durch erweckte Gefühle.
Die Freude,
(fast)unsichtbar hier zu sein,
in dieser funkelnden Welt
Neu-Europas.
.......................................................

Neu-Europa,
in dir ist noch Hoffnung!

Du frisches Mädel,
das vor mir niederfällt.

- Ich mache einen Spaziergang
über einen Hügel.
Schaue zurück
und sehe gelbe Rosen
in den Himmel ragen.
Rosenköpfe,
die vor der Anschauung Gottes
hin und her wippen.

- Ich denke an Sigrid.
- Ich denke an sie.

Wenn ich in meinem Leben
nie mehr
jemand anderen
begegne,
so bin ich doch glücklicher,
als alle,
die je leben werden.

Bin glücklich,
weil ich sie kannte.
Ich weiß,
wie großartig sie ist.
Ihr Herz ist leicht
und voller Freude.
Ihr Körper,
das endlose Haar.
Das kreideweiche Lächeln
pulsiert immer noch
in den Venen meiner Zukunft.

Und ihre Augen –
beunruhigendes Gefühl
dieser forschenden Augen.
Neu und fremd –
ihre ganze Welt
für mich war so unbegreiflich.
Unglaublich,
an das Unglaubliche zu glauben!

Sie gehört einer anderen Welt an,
geht eine andere Richtung.
Ich kann unmöglich wie sie sein,
oder überhaupt
Zugang zu dieser Welt finden,
sie verstehen.

- Ich muss an den Wert meiner eigenen Welt glauben!

Und doch!

Beunruhigendes Gefühl
dieser forschenden Augen.
- Es ist zum lachen,
und ziemlich traurig.

Gute Augen
klopften an meiner Tür –
und zeigten mir
(nicht beleidigend)
ihre Persönlichkeit.

O, Island –
ich umarme dich wie zuvor!
In meinem Wahn
küsse ich dein glitzerndes Gesicht.
Und du umarmst den Irren.
Öffnest dein zartes,
dünnes Herzensgewand.
Und alles hat wieder die alte Bedeutung.

O, wie das Blut meine Adern durchflutet!

Nein –
man kann nicht alle schöne Menschen lieben!
Je weniger es sind,
um so schöner ist es.
Der Himmel besitzt auch nur einen Mond.
Ein zweifacher Sonnenuntergang
ist ein Erlebnis, -
sechs sind eine Wiederholung,
wie die sechs Tage einer Schulwoche.
Allmählich
sortiert man aus
und behält nur
vollkommene Exemplare.
Es muss nicht einmal
ein seltener Mensch sein.
Aber einer,
der in seiner Art
vollkommen ist!
.......................................................

In ihr war Verlass –
Sie lag ihren Stolz ab,
denn sie wusste,
was Zersplitterung heißt.

Ihr Verstand und ihre Bildung.
Ihr Herz und sein Sehnen,
haben die Wüste gespürt.

Ihre Fenster waren offen.
- Keine Vorhänge,
sie brauchte sie nicht als Schutz
gegen die Außenwelt.

Mit wie wenig man auskommt.
Nicht wie viel man hat,
sind Stimmen aus der Vergangenheit,
die der Gegenwart
gegenüberstehen,
mit Verpflichtung an die Zukunft.

Um die Leere zu füllen
der Einsamkeit,
bis zum Rand
mit Gemeinsamkeit,
sucht man eine Zweisamkeit.

Doch in einer Zweisamkeit,
ist kein Platz für dritte Person.
- Sie behindert die Entwicklung.

Oh, nicht das einfache,
sondern das vielfache Leben,
das nicht zur Sammlung,
sondern zur Zersplitterung führt,
trägt die Schuld!

Sie hat die Zerstreuung des Lebens gesammelt!
In ihr war und ist Verlass, -
denn sie kennt es aus früheren Jahren!

In ihr war und bleibt Verlass!
Ihr Verstand ist eine Krone!
- Ich bot ihr mein Herz aus Gold an,
das zum Platin vorbereitet war.
- Sie wollte es nur aus Fleisch.
- So teilte ich mein Herz
in zwei Stücke;
- das eine für sie,
- das andere
für mein Überleben!

Nun bin ich am Ende!